Die Tatsache, dass Synchronmotoren nicht selbstanlaufend sind, lässt sich wie folgt erklären:
- Im Stillstand wird kein Anlaufdrehmoment erzeugt
- Der Rotor kann sich nicht sofort mit dem Drehfeld des Stators synchronisieren
- Die magnetischen Kräfte wechseln sich ab und heben sich gegenseitig auf
- Die Trägheit des Rotors verhindert eine sofortige Beschleunigung
- Für einen stabilen Betrieb müssen die Drehzahlen aufeinander abgestimmt sein
Um diese Einschränkung zu überwinden, werden verschiedene Anlaufverfahren wie Dämpferwicklungen und Frequenzumrichter eingesetzt.

Was ist ein Synchronmotor?
Im Gegensatz zu Asynchronmotoren ist bei Synchronmotoren der Rotor an das rotierende Magnetfeld des Stators gekoppelt und läuft mit konstanter Drehzahl im Takt der Netzfrequenz. Wichtige Merkmale:
- Konstante Drehzahl unabhängig von der Last
- Hoher Wirkungsgrad, insbesondere bei Großanwendungen
- Fähigkeit zur Verbesserung des Leistungsfaktors
- Weit verbreitet in Kompressoren, Pumpen, Förderanlagen und Kraftwerken
Diese präzise Synchronisation ist jedoch auch der Grund dafür, dass sie nicht selbstständig anlaufen können.
Grundlagen der Funktionsweise von Synchronmotoren
Um zu verstehen, warum ein Synchronmotor nicht selbstständig anlaufen kann, müssen wir zunächst seine Funktionsweise verstehen.
Stator
- Erzeugt ein rotierendes Magnetfeld, wenn er an eine Wechselstromversorgung angeschlossen ist
- Die Drehzahl dieses rotierenden Feldes hängt von der Netzfrequenz ab
Rotor
- Wird mit Gleichstrom oder Permanentmagneten angeregt
- Erzeugt ein stabiles Magnetfeld
Sobald der Rotor in Betrieb ist, synchronisiert er sich mit dem rotierenden Magnetfeld des Stators und dreht sich mit derselben Drehzahl.
Der Hauptgrund: Fehlendes Anlaufdrehmoment
Der Hauptgrund dafür, dass ein Synchronmotor nicht selbstanlaufend ist, liegt in seiner Unfähigkeit, ein Anlaufdrehmoment zu erzeugen.
Was passiert beim Anlaufen?
Wenn die Spannung erstmals angelegt wird:
- Der Stator erzeugt ein rotierendes Magnetfeld
- Der Rotor steht zunächst still
- Das rotierende Magnetfeld bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit
Da sich der Rotor noch nicht bewegt, kann er sich nicht sofort mit dem Statorfeld „verriegeln“. Stattdessen wirkt auf ihn abwechselnd eine Kraft in die eine und dann in die entgegengesetzte Richtung ein.
Ergebnis:
- Das durchschnittliche Drehmoment über die Zeit beträgt null
- Der Rotor beginnt sich nicht zu drehen
Dies ist der grundlegende Grund, warum Synchronmotoren nicht aus eigener Kraft anlaufen können.
Magnetisches Verhalten im Stillstand
Im Stillstand wird das Magnetfeld des Rotors dem rotierenden Feld des Stators ausgesetzt, was zu sich ständig ändernden magnetischen Effekten führt.
Wichtige Punkte:
- Das Statorfeld ändert kontinuierlich seine Richtung relativ zum stillstehenden Rotor
- Der Rotor erfährt Drehmomentimpulse anstelle eines kontinuierlichen Drehmoments
- Diese Impulse heben sich gegenseitig auf
Analogie:
Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, eine Schaukel anzuschieben, die sich zu schnell bewegt – Ihre Schubsätze passen sich nicht an ihre Bewegung an, sodass keine effektive Bewegung entsteht. Ähnlich verhält es sich beim Rotor, der das rotierende Magnetfeld beim Anlaufen nicht „einfangen“ kann.
Synchronisationsvoraussetzung
Ein Synchronmotor kann nur dann funktionieren, wenn die Drehzahl des Rotors mit dem rotierenden Magnetfeld des Stators übereinstimmt.
Kritischer Zustand:
- Der Rotor muss nahezu die Synchrondrehzahl erreichen, bevor er sich einkoppeln kann
Allerdings:
- Beim Anlaufen beträgt die Rotordrehzahl 0
- Drehzahl des Statorfeldes = hoch
Diese Diskrepanz verhindert die Synchronisation.

Vergleich mit Asynchronmotoren
Um diese Einschränkung besser zu verstehen, ist es hilfreich, Synchronmotoren mit Asynchronmotoren zu vergleichen.
Synchronmotor vs. Asynchronmotor (Anlaufverhalten)
| Merkmal | Synchronmotor | Asynchronmotor |
| Selbstanlaufvermögen | Nein | Ja |
| Anlaufdrehmoment | Null | Hoch |
| Rotorstromquelle | Externe Gleichstromquelle oder Permanentmagnet | Vom Stator induziert |
| Drehzahl im Betrieb | Konstant | Etwas geringer als die Synchrondrehzahl |
| Schlupf | Null | Ungleich Null |
| Anlaufkomplexität | Hoch | Niedrig |
Wichtige Erkenntnis:
Induktionsmotoren erzeugen durch induzierte Ströme ein Drehmoment, wodurch sie automatisch anlaufen können. Synchronmotoren verfügen beim Anlaufen nicht über diesen Mechanismus.
Rolle der Rotorträgheit
Ein weiterer Faktor, der dazu beiträgt, dass sich der Motor nicht selbst anlaufen lässt, ist die Rotorträgheit.
- Der Rotor hat eine Masse und widersetzt sich plötzlichen Bewegungen
- Das Statorfeld bewegt sich zu schnell, als dass der Rotor sofort beschleunigen könnte
- Ohne allmähliche Beschleunigung kann keine Synchronisation stattfinden
Daher bleibt der Rotor ohne Unterstützung im Stillstand.
Stabilität und Drehmomentrichtung
Im Stillstand ist das in einem Synchronmotor erzeugte Drehmoment nicht nur gering, sondern auch instabil.
Eigenschaften:
- Die Drehmomentrichtung ändert sich schnell
- Es wird keine gleichmäßige Drehkraft entwickelt
- Der Rotor schwingt statt sich zu drehen
Diese Instabilität verhindert zudem den Selbstanlauf.
Praktische Auswirkungen
Da Synchronmotoren nicht aus eigener Kraft anlaufen können, benötigen sie externe Anlaufvorrichtungen.
Herausforderungen:
- Zusätzliche Ausrüstung erhöht die Kosten
- Komplexere Steuerungssysteme
- Erfordert einen sorgfältigen Synchronisationsprozess
Trotz dieser Herausforderungen werden Synchronmotoren aufgrund ihrer Effizienz und Leistung im Betrieb nach wie vor häufig eingesetzt.
Methoden zum Anlaufen eines Synchronmotors
Um das Anlasserproblem zu lösen, kommen in der Praxis verschiedene Methoden zum Einsatz.
Gängige Anfahrverfahren für Synchronmotoren
| Methode | Beschreibung | Vorteile | Nachteile |
| Dämpferwicklung (Amortisseur) | Der Rotor verfügt über Käfigstäbe für den Induktionsanlauf | Einfach, weit verbreitet | Zusätzliche Verluste |
| Externe Antriebsmaschine | Der Motor wird mithilfe eines anderen Motors auf Drehzahl gebracht | Zuverlässig | Teuer |
| Frequenzumrichter (VFD) | Erhöht die Frequenz schrittweise, um sie an die Rotordrehzahl anzupassen | Gleichmäßig und effizient | Hohe Kosten |
| Hilfsmotor | Kleiner Hilfsmotor beschleunigt den Rotor | Eignet sich für große Maschinen | Erfordert zusätzliche Ausrüstung |
| Anlauf mit reduzierter Spannung | Wendet anfangs eine niedrigere Spannung an | Begrenzt den Strom | Begrenztes Drehmoment |
Dämpferwicklung: Die gängigste Lösung
Eine der am häufigsten verwendeten Methoden ist die Dämpferwicklung, auch bekannt als Amortisseur-Wicklung.
So funktioniert es:
- Funktioniert während der Anlaufphase ähnlich wie ein Induktionsmotor
- Erzeugt das für die Drehung erforderliche Anfangsdrehmoment
- Bringt die Rotordrehzahl nahe an die Synchrondrehzahl heran
Bei Erreichen einer Drehzahl nahe der Synchronisation:
- wird eine Gleichstromerregung angelegt
- Der Rotor geht in Synchronlauf über
Ansatz mit Frequenzumrichter (VFD)
In modernen industriellen Systemen kommen zunehmend Frequenzumrichter (VFDs) zum Einsatz.
Vorteile:
- Sanfte Beschleunigung aus dem Stillstand
- Vermeidung mechanischer Belastungen
- Verbesserung der Energieeffizienz
Ablauf:
- Die Frequenz beginnt niedrig
- Steigt allmählich an
- Der Rotor folgt dem sich ändernden Magnetfeld
Diese Methode löst das Problem des Selbstanlaufs effektiv.
Warum nicht so konstruieren, dass er selbstanlaufend ist?
Da stellt sich natürlich die Frage: Warum konstruiert man Synchronmotoren nicht so, dass sie selbstanlaufend sind?
Gründe:
Bei ihrer Konstruktion stehen konstante Drehzahl und Wirkungsgrad im Vordergrund
Das Hinzufügen einer Selbstanlauf-Funktion würde:
- die Komplexität erhöhen
- den Wirkungsgrad verringern
- die Kosten erhöhen
Stattdessen bevorzugen Ingenieure den Einsatz von Hilfsmethoden.
Vorteile trotz der Einschränkung
Auch wenn Synchronmotoren nicht selbstanlaufend sind, bieten sie mehrere Vorteile:
Wichtigste Vorteile:
- Präzise Drehzahlregelung
- Hoher Wirkungsgrad bei konstanter Last
- Fähigkeit zur Leistungsfaktorkorrektur
- Geeignet für große industrielle Anwendungen
Diese Vorteile überwiegen häufig die Einschränkungen beim Anlaufen.
Industrielle Anwendungen
Synchronmotoren finden in verschiedenen Anwendungsbereichen breite Verwendung, beispielsweise:
- Kraftwerke
- Große Kompressoren
- Industriepumpen
- Förderanlagen
- Papier- und Zementindustrie
Bei diesen Anwendungen ist ein kontrollierter Anlauf zulässig und wird oft bevorzugt.