Permanentmagnet-Synchronmotoren (PMSM) zeichnen sich durch außergewöhnlichen Wirkungsgrad, kompakte Bauweise und hohe Drehmomentdichte aus, was sie ideal für Elektrofahrzeuge, Robotik und industrielle Automatisierung macht – ihre Leistung hängt dabei von einer präzisen Regelungsstrategie ab.
Beide Techniken zielen darauf ab, die Drehmomententfaltung und den Wirkungsgrad zu optimieren und gleichzeitig Welligkeit und Reaktionszeit zu minimieren. Ihre zugrunde liegenden Prinzipien, die Komplexität der Umsetzung und die Leistungsmerkmale unterscheiden sich jedoch erheblich.
Überblick über die PMSM-Steuerung

Grundlagen von Permanentmagnet-Synchronmotoren
PMSMs verfügen über Permanentmagnete am Rotor, die das Magnetfeld erzeugen, während die dreiphasigen Wicklungen des Stators ein Drehfeld erzeugen, das die Rotation synchron antreibt.
Zu den wichtigsten Gleichungen, die die Dynamik von PMSMs beschreiben, gehören:
Te=2/3p(ψdiq−ψqid)
wobei:
- Te = elektromagnetisches Drehmoment
- P = Anzahl der Polpaare
- ψd = Flussverbindungen in der d- und q-Achse
- id,iq = Stromkomponenten entlang der d- und q-Achse
Das Hauptziel des Regelsystems besteht darin, id und id präzise zu steuern, um die gewünschten Drehmoment- und Flusswerte zu erreichen.
Feldorientierte Regelung (FOC)
Funktionsprinzip
Die feldorientierte Regelung, auch als Vektorregelung bekannt, transformiert die dreiphasigen Statorströme in ein rotierendes Bezugssystem (d–q-System). Diese Transformation entkoppelt Drehmoment und Fluss und ermöglicht eine unabhängige, DC-motorähnliche Regelung der PMSM-Ströme.
Die einzelnen Schritte sind:
- Messen der Statorströme ia, ib, ic.
- Umwandlung in id und iq unter Verwendung der Clarke- und Park-Transformationen.
- Regeln Sie idi_did (Fluss) und iqi_qiq (Drehmoment) unabhängig voneinander mit PI-Reglern.
- Inverse Transformation zurück zu den Dreiphasenspannungen für die PWM-Modulation.
Diese Entkopplung ermöglicht eine präzise Drehmoment- und Drehzahlregelung unter dynamischen Lastbedingungen.
FOC-Regelstruktur
| Stufe | Beschreibung | Funktion |
| Strommessung | Erfasst die Phasenströme ia, ibi_a, i_bia, ib | Eingaben für Transformationen |
| Clarke-Transformation | Wandelt 3-phasig in 2-phasig (α–β) um | Vereinfacht Berechnungen |
| Park-Transformation | Wandelt α–β in d–q-Drehkoordinatensystem um | Trennt Drehmoment und Fluss |
| PI-Regler | Regelt idi_did und iqi_qiq | Hält das gewünschte Drehmoment und den gewünschten Fluss aufrecht |
| Inverse Park-Transformation | Wandelt die Regelausgänge wieder in 3-Phasen-Signale um | Speist den PWM-Wechselrichter |
| PWM-Erzeugung | Moduliert die Umschaltung des Wechselrichters | Legt Spannung an den PMSM an |
Vorteile von FOC
- Gleichmäßige Drehmomentabgabe – Dank sinusförmiger Stromregelung ist die Drehmomentwelligkeit minimal.
- Hoher Wirkungsgrad – Die Magnetfeldausrichtung minimiert Kupfer- und Eisenverluste.
- Breiter Drehzahlbereich – Effektive Feldschwächung für den Hochgeschwindigkeitsbetrieb.
- Stabile Regelung – Proportional-Integral-Regler (PI-Regler) sorgen für konstante Leistung bei variabler Last.
Einschränkungen von FOC
- Komplexe Implementierung – Erfordert mehrere Koordinatentransformationen und Rotorpositionssensoren.
- Parameterempfindlichkeit – Abhängig von genauen Motorparametern (Widerstand, Induktivität, Flussbindung).
- Mäßiges dynamisches Ansprechverhalten – Etwas langsamere Drehmomentansprache im Vergleich zu DTC aufgrund von Stromregelkreisen.

Direkte Drehmomentsteuerung (DTC)
Funktionsprinzip
Die direkte Drehmomentsteuerung regelt das Drehmoment und den Statorfluss des PMSM direkt, ohne auf Stromregelkreise oder PWM-Modulation zurückzugreifen. Stattdessen wählt sie die Spannungsvektoren des Wechselrichters auf der Grundlage von Echtzeit-Drehmoment- und Flussrückmeldungen aus.
Kernkonzept:
- Berechnung des momentanen Statorflusses und Drehmoments.
- Vergleich mit Sollwerten unter Verwendung von Hysterese-Reglern.
- Auswahl des optimalen Spannungsvektors aus einer vordefinierten Tabelle, um Abweichungen sofort zu korrigieren.
DTC-Regelstruktur
| Stufe | Beschreibung | Funktion |
| Spannungs- und Strommessung | Misst Statorspannungen/-ströme | Eingaben für die Fluss- und Drehmomentschätzung |
| Flussschätzung | Berechnet den Statorflussvektor | Bestimmt die Stärke des Magnetfelds |
| Drehmomentschätzung | Berechnet das elektromagnetische Drehmoment | Überwacht die Motorleistung |
| Hysterese-Regler | Vergleich von Ist- und Soll-Drehmoment/Fluss | Erzeugt Schaltsignale |
| Schalttabelle | Wählt den geeigneten Umrichtervektor aus | Steuert Drehmoment und Fluss direkt |
| Umrichter | Wendet den ausgewählten Spannungsvektor an | Passt den elektromagnetischen Zustand des Motors an |
Vorteile von DTC
- Schnelle Drehmomentansprache – Hervorragende dynamische Leistung durch direkte Regelung.
- Keine Koordinatentransformationen – Vereinfacht die Berechnung im Vergleich zu FOC.
- Keine PI-Regler oder PWM erforderlich – Reduziert die Verarbeitungsverzögerung.
- Robustheit – Geringere Empfindlichkeit gegenüber Schwankungen der Motorparameter.
Einschränkungen von DTC
- Höhere Drehmomentwelligkeit – Die hysterese-basierte Regelung erzeugt Drehmoment- und Flussschwankungen.
- Variable Schaltfrequenz – Erhöht die Komplexität des Umrichterdesigns und der Filterung.
- Geringerer Wirkungsgrad im stationären Betrieb – Welligkeitsverluste können den Systemwirkungsgrad verringern.
- Schwierige Flusssteuerung bei niedriger Drehzahl – Die Genauigkeit der Flussschätzung nimmt bei niedriger Spannung ab.
Vergleichende Analyse: FOC vs. DTC
| Aspekt | Feldorientierte Regelung (FOC) | Direkte Drehmomentsteuerung (DTC) |
| Grundprinzip | Vektorregelung mit entkoppelter Stromregelung | Direkte Drehmoment- und Flusssteuerung über Hysterese |
| Regelgrößen | id, iqi_d, i_qid, iq (Stromkomponenten) | Drehmoment und Statorfluss |
| Dynamisches Verhalten | Mäßig | Sehr schnell |
| Drehmomentwelligkeit | Gering | Hoch |
| Schaltfrequenz | Konstant (über PWM) | Variabel |
| Implementierungskomplexität | Hoch (Transformationen + PI-Regelung) | Mäßig (Nachschlagetabellen + Schätzung) |
| Parameterempfindlichkeit | Hoch | Gering |
| Wirkungsgrad (stationärer Zustand) | Hoch | Mäßig |
| Leistung bei niedrigen Drehzahlen | Ausgezeichnet | Schlecht (Problem bei der Flussschätzung) |
| Hardware-Anforderungen | Rotorpositionssensor, Stromsensoren | Spannungs- und Stromsensoren |
| Rechenaufwand | Hoch | Gering |
| Anwendungsbeispiele | Präzisionsbewegungssteuerung, Servoantriebe, Robotik | Antriebstechnik, Elektrofahrzeuge, Anwendungen, die eine schnelle Drehmomentansprache erfordern |
Vergleich der dynamischen Leistung
Um die Unterschiede zu veranschaulichen, vergleicht das folgende Beispiel die FOC- und DTC-Steuerung in einem PMSM mit einer Nennleistung von 5 kW und 3000 U/min unter einem schrittweisen Drehmomentbefehl:
| Leistungskennzahl | FOC | DTC |
| Drehmomentanstiegszeit | 2,8 ms | 1,1 ms |
| Drehmomentwelligkeit | 2 % | 8 % |
| Drehzahlüberschwingen | 3 % | 6 % |
| Wirkungsgrad bei Nennlast | 95 % | 91 |
| Schaltfrequenz | Fest (10 kHz) | Variabel (5–20 kHz) |
Diese Ergebnisse zeigen, dass DTC eine überlegene Transientenantwort bietet, während FOC einen gleichmäßigeren und effizienteren stationären Betrieb gewährleistet.
Praktische Überlegungen zur Implementierung
Anforderungen an die Sensorik
- FOC verwendet typischerweise einen Rotorpositionssensor (Resolver, Encoder oder Hall-Sensoren) für Koordinatentransformationen. Es gibt zwar sensorlose FOC-Verfahren, diese erfordern jedoch komplexe Beobachter.
- DTC hingegen kann sensorlos arbeiten, indem es Spannungs- und Strommessungen zur Flussschätzung nutzt, was jedoch bei niedrigen Drehzahlen an Genauigkeit verliert.
Rechenaufwand
FOC erfordert Echtzeit-Transformationen (Clarke, Park, inverse Park) und PI-Regler für sowohl die d- als auch die q-Achse. DTC vermeidet diese Berechnungen, doch häufige Drehmoment- und Flussschätzungen erfordern weiterhin hohe Abtastraten.
Wechselrichter- und Schaltdesign
Da DTC eine variable Schaltfrequenz verwendet, muss das Wechselrichterdesign einen größeren Betriebsbereich abdecken, was oft zu einer erhöhten thermischen Belastung der Leistungsbauelemente führt. FOC vereinfacht durch die Verwendung von PWM mit konstanter Frequenz das thermische Management des Wechselrichters.
Anwendungsbereiche
| Anwendung | Bevorzugte Regelungsstrategie | Grund |
| Elektrofahrzeuge (EVs) | DTC | Schnelle Drehmomentansprache, bessere Beschleunigungssteuerung |
| Robotik und Automatisierung | FOC | Sanfte Bewegung und präzise Drehmomentregelung |
| Werkzeugmaschinen | FOC | Geringe Drehmomentwelligkeit – entscheidend für die Präzisionsbearbeitung |
| Aktuatoren für die Luft- und Raumfahrt | FOC | Hohe Zuverlässigkeit und geräuscharmer Betrieb |
| Aufzüge und Kräne | DTC | Hohe Dynamik bei plötzlichen Lastwechseln |
| HLK und Kompressoren | FOC | Energieeffizienter Betrieb mit konstanter Drehzahl |
Hybride und moderne Verbesserungen
Aktuelle Forschungsarbeiten zielen darauf ab, die Laufruhe von FOC und die Geschwindigkeit von DTC durch hybride FOC-DTC-Methoden oder Rahmenwerke der modellprädiktiven Regelung (MPC) zu kombinieren.
Zu den Trends gehören:
- Modellprädiktive Drehmomentsteuerung (MPTC) – Verbessert DTC durch prädiktive Algorithmen für das Umschalten bei fester Frequenz.
- Sensorlose FOC-DTC-Hybride – Integrieren Flussschätzung für den sensorlosen Betrieb unter Beibehaltung der Laufruhe von FOC.
- KI-basierte Regler – Maschinelles Lernen und adaptive neuronale Regler setzen sich zunehmend durch, um Verstärkungen und Hystereseschwellen automatisch abzustimmen.
- Raumvektormodulation (SVM) in DTC – Reduziert Drehmomentwelligkeit und stabilisiert die Schaltfrequenz, wodurch die Lücke zwischen den beiden Strategien geschlossen wird.
Die Wahl zwischen FOC und DTC
Die Wahl zwischen FOC und DTC hängt von den spezifischen Anwendungsanforderungen ab:
| Konstruktionspriorität | Empfohlene Strategie |
| Hohe Drehmomentantwort | DTC |
| Minimale Drehmomentwelligkeit | FOC |
| Vereinfachte Steuerungsimplementierung | DTC |
| Hoher Wirkungsgrad und Präzision | FOC |
| Genauigkeit bei niedrigen Drehzahlen | FOC |
| Sensorloser Betrieb | DTC |
| Kostengünstige Hardware | DTC |
| Stabile thermische Belastung | FOC |
Zukunftsaussichten
Dank der Fortschritte bei digitalen Signalprozessoren (DSPs) und feldprogrammierbaren Gate-Arrays (FPGAs) ist die Implementierung von sowohl FOC als auch DTC praktischer und kostengünstiger geworden. Ingenieure können nun hybride Konzepte realisieren, die die schnelle Dynamik von DTC und die gleichmäßige Leistung von FOC nutzen. Darüber hinaus ebnen KI-gesteuerte Parameteridentifikation und adaptive Regelung den Weg für selbstoptimierende PMSM-Systeme und verringern die Abhängigkeit von manueller Abstimmung.
Der Fokus liegt weiterhin auf der Erreichung von:
- Höhere Energieeffizienz
- Reduzierte Drehmomentwelligkeit
- Vereinfachte Hardware
- Einheitliche hybride Regelungsmodelle
Da die Elektrifizierung zunehmend in die Bereiche Mobilität, Fertigung und erneuerbare Energiesysteme vordringt, bleibt die Auswahl der optimalen Regelungsstrategie ein entscheidender Faktor für die Systemleistung und -zuverlässigkeit.
- Sowohl die feldorientierte Regelung (FOC) als auch die direkte Drehmomentsteuerung (DTC) sind bewährte Strategien für den Betrieb von PMSM und bieten jeweils eigene Vorteile.
- FOC zeichnet sich durch eine gleichmäßige Drehmomenterzeugung, präzise Regelung und Energieeffizienz aus und eignet sich daher für Robotik-, Automatisierungs- und Servoanwendungen.
- DTC bietet eine schnellere Drehmomentansprache und eine einfachere Implementierung und ist damit ideal für Antriebe und Systeme, die eine schnelle dynamische Leistung erfordern.
In der modernen Motorsteuerungstechnik verschwimmt die Grenze zwischen FOC und DTC zunehmend, da sich Hybridsysteme und prädiktive Algorithmen weiterentwickeln – sie vereinen das Beste aus beiden Welten, um intelligentere, schnellere und effizientere PMSM-Antriebe zu ermöglichen.